Und zwar endgültig
Stuart MacBride hat das Versprechen, das er in seinem letzten Krimi gegeben hat, gehalten: Das neue Buch spielt im Hochsommer. Aberdeen ist getaucht in Sonnenschein und Hitze. Der Granit glänzt golden in der Sonne. Doch die Sonnenstrahlen lassen die Abgründe der schottischen
Stadt nur umso deutlicher hervortreten. Und auch Detective Sergeant Logan McRaes Gemüts- verfassung steht im deutlichen Gegensatz zum schönen Wetter: Seit der Serienmörder- jagd im letzten Krimi – »Blut und Knochen« (2009) – aus nur zu verständlichem Grund Vegetarier, von Schlaflosigkeit geplagt, überfallen ihn sogar tagsüber Alpträume und Panikattacken. Am liebsten würde er sich nur noch betrinken, um nichts mehr zu spüren. Der einzige Lichtblick in diesem Sommer ist die Stelle eines Detective Inspector, die es neu zu besetzen gilt. McRae hat durchaus Chancen auf diese Beförderung – wenn er nicht allzu viel Mist baut.
Eine Chance, sich zu profilieren, bietet der neue Fall, der Aberdeen erschüttert: Jemand schneidet Mitgliedern der polnischen Gemeinde bei vollem Bewusstsein die Augen heraus. Die Opfer überleben die Blendung zwar, wollen aber – starr vor Angst – nicht sagen, wer ihnen das angetan hat. Eine Spur darf DS McRae bis nach Polen verfolgen: Dies bringt ihn nach Nova Huta, einem Stadtteil von Krakau (und hier regnet’s dann auch wieder). Doch statt wirklich hilfreicher Erkenntnisse beschert dieser Dienstausflug dem reichlich angeschlagenen DS vor allem weitere Alpträume. Und zu allem Überfluss rutscht er in eine fatale Zwickmühle.
Die schottische Version der schlimmstmöglichen Wendung
»Blinde Zeugen« (im Original »Blind Eyes«) ist MacBrides fünfter Krimi um den vom Pech verfolgten DS: Der ist eigentlich recht clever und innerhalb der Gurkentruppe der Aberdeener Polizei einer der wenigen, die etwas hinbekommen. Aber irgendetwas läuft immer quer, sodass für ihn am Ende nur wenige Lorbeeren übrig bleiben. Diesmal steht McRae sich wegen seines Alkoholkonsums und seiner Traumatisierung selbst reichlich oft im Weg. Dadurch gewinnt er endlich etwas mehr Kontur als in den bisherigen Büchern.
Überhaupt ist der aktuelle Band insgesamt etwas weniger überzogen und dafür ein bisschen komplexer im Plot: organisierte Kriminalität, pikierte Verbrecherdynastien in Aberdeen, international agierende Killer und blutige Revierkämpfe. Aber keine Sorge: Der Krimi ist immer noch ausreichend überdreht und schwarzhumorig – stets wie die schottische Umsetzung des Dürrenmattschen Diktums, dass eine Sache erst dann zu Ende gedacht ist, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Wie die bisherigen Bücher von Stuart MacBride ist auch dieser Polizeikrimi gleichzeitig seine eigene temporeiche und bildgewaltige Parodie – und nichts für Menschen mit schwachem Magen.
Stuart MacBride: Blinde Zeugen
Aus dem Englischen von Andreas Jäger
Manhattan 2010
Tb, 606 Seiten, 14,99 Euro
ISBN 978-3-442-54683-1
auch erhältlich als eBook (hier klicken)
auch erhältlich als Hörbuch-Download (hier klicken)
Zur Homepage des Autors: www.stuartmacbride.com
Diese Besprechung ist auch erschienen auf satt.org

de Médecine Légale in Montréal tätig. Das spiegelt sich in ihren Krimis wider: Reichs weiß, wovon sie schreibt. Eher unaufgeregt als bluttriefend, sind ihre Beschreibungen von Obduktionen, Knochenanalysen oder Gewebeextraktionen eine detailreiche, aber dennoch meist unterhaltsame Lehrstunde in Anatomie, Forensik, Anthropologie und und und. In ihre Romane fließen Fälle ein, an denen sie mitgearbeitet hat, das macht es oft sehr lebensnah mit einem guten Blick für Zusammenhänge und Hintergründe.
bei der Rettung der Frau die DNA-Spuren beseitigen (müssen), kann die Tat keinem der Familienväter zweifelsfrei zugeordnet werden. Die Vergewaltiger gehen straffrei aus, es kommt nicht einmal zum Prozess. Der Erzähler, ein sehr junger Strafrechtanwalt, ist der Verteidiger eines der Täter; er muss sich eingestehen, dass er mit diesem Mandat seine Unschuld verloren hat.
Schwüle Sommerhitze über Hamburg und Leichenteile in der Elbe. Aber nur Köpfe, Hände, Füße – alles männlich -, der Rest ist weg. Wer in den achtziger Jahren die ersten richtig fiesen »Frauenkrimis« gelesen hat, weiß nach genau zwei Seiten, worauf das hinausläuft. Die ermittelnden Beamten und mit ihnen die Staatsanwältin Chastity Riley brauchen deutlich länger, aber immerhin auch nur 250 Seiten. Zumindest bleibt der Umfang übersichtlich.
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der internen Ermittlung.