Im Rahmen des Buchmessen-Specials des Hessischen Rundfunks ist eine Rezension von Stuart MacBride »Blinde Zeugen« erschienen – und zwar hier (einfach draufklicken).
Bei hr-online ist nun eine Besprechung von David Peace‘ zweitem Band der Tokio-Trilogie erschienen. Zu lesen gibt es das hier: im Buchmessen-Special von hr-online.
David Peace: Tokio, besetzte Stadt
Aus dem Englischen von
Peter Torberg
Liebeskind 2010
geb., 350 Seiten, Euro 22,00
ISBN 978-3-935890-74-8
Bei hr-online ist nun ein Interview mit Rosa Ribas samt Vorstellung ihres neuen Buches erschienen. Lesen lässt sich das hier: im Buchmessen-Special von hr-online.
Zum Bestellen bei eBook.de einfach auf den Titel klicken:
Rosa Ribas: Tödliche Kampagne
Aus dem Spanischen von
Kirsten Brandt
Suhrkamp Verlag 2010
TB, 450 Seiten, 9,95 Euro
ISBN 978-3-518-46184-6
Erbkrankheiten, Genforschung, Designerbabys und Identitätssuche
Berlin 1978: Als Carla nach einer Woche endlich ihre Tochter wiedersehen darf, kann sie es nicht fassen: Das Baby, von dem alle behaupten, es sei ihre sechs Monate alte Tochter ist nicht ihr Kind! Doch niemand glaubt ihr, nicht einmal ihr Mann, immerhin der Kindsvater. Stimmt es, was alle behaupten, ist Carla psychisch krank? Will sie nicht wahrhaben, dass ihr Kind unheilbar krank ist? Weist sie ihre eigene Tochter wegen eines schweren genetischen Defekts von sich?
Edinburgh heute: Fiona erwacht in ihrer Badewanne. Kerzen stehen auf dem Wannenrand, überall sind rote Rosenblätter verstreut. Das Badewasser färbt sich langsam rot vom Blut, das aus ihren aufgeschnittenen Pulsadern rinnt. Gerade noch rechtzeitig schafft sie es, den Notruf zu wählen. Niemand glaubt ihr, dass sie sich nicht hat umbringen wollen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass sie das versuchte. Doch Fiona ist überzeugt: Jemand wollte sie ermorden.
Untergründige Atmosphäre der Unsicherheit
Zwei Frauen, zwei Alpträume. Zoë Beck erzählt ihren Psychothriller auf zwei Ebenen: In der Vergangenheit setzt Carla alles daran, ihre verschwundene Tochter wiederzufinden, in der Gegenwart versucht Fiona herauszubekommen, was tatsächlich geschehen ist. Die Autorin schafft es, diese beiden Erzählstränge so gelungen miteinander zu verweben und weitere Linien so geschickt einzuflechten, dass lange Zeit nicht klar ist, wie alles zusammenhängt.
Die Figuren sind sehr glaubhaft und lebendig gezeichnet und obendrein mit ausreichend Macken und Ängsten versehen. Dadurch entsteht eine untergründige Atmosphäre der Unsicherheit, denn über weite Strecken bleibt es undurchsichtig, ob es sich nicht doch um die Hirngespinste zweier überspannter Frauen handelt. Ein guter Schuss Selbstironie verleiht dem gesamten Buch eine angenehme Leichtigkeit und unterstreicht die stets vorhandene Spannung.
Zoë Beck, das ist ein offenes Geheimnis, ist Henrike Heiland, die schon mehrere Krimis geschrieben hat. »Das alte Kind« ist der zweite Psychothriller, den sie unter ihrem Pseudonym veröffentlicht.
Stuart MacBride hat das Versprechen, das er in seinem letzten Krimi gegeben hat, gehalten: Das neue Buch spielt im Hochsommer. Aberdeen ist getaucht in Sonnenschein und Hitze. Der Granit glänzt golden in der Sonne. Doch die Sonnenstrahlen lassen die Abgründe der schottischen Stadt nur umso deutlicher hervortreten. Und auch Detective Sergeant Logan McRaes Gemüts- verfassung steht im deutlichen Gegensatz zum schönen Wetter: Seit der Serienmörder- jagd im letzten Krimi – »Blut und Knochen« (2009) – aus nur zu verständlichem Grund Vegetarier, von Schlaflosigkeit geplagt, überfallen ihn sogar tagsüber Alpträume und Panikattacken. Am liebsten würde er sich nur noch betrinken, um nichts mehr zu spüren. Der einzige Lichtblick in diesem Sommer ist die Stelle eines Detective Inspector, die es neu zu besetzen gilt. McRae hat durchaus Chancen auf diese Beförderung – wenn er nicht allzu viel Mist baut.
Eine Chance, sich zu profilieren, bietet der neue Fall, der Aberdeen erschüttert: Jemand schneidet Mitgliedern der polnischen Gemeinde bei vollem Bewusstsein die Augen heraus. Die Opfer überleben die Blendung zwar, wollen aber – starr vor Angst – nicht sagen, wer ihnen das angetan hat. Eine Spur darf DS McRae bis nach Polen verfolgen: Dies bringt ihn nach Nova Huta, einem Stadtteil von Krakau (und hier regnet’s dann auch wieder). Doch statt wirklich hilfreicher Erkenntnisse beschert dieser Dienstausflug dem reichlich angeschlagenen DS vor allem weitere Alpträume. Und zu allem Überfluss rutscht er in eine fatale Zwickmühle.
Die schottische Version der schlimmstmöglichen Wendung
»Blinde Zeugen« (im Original »Blind Eyes«) ist MacBrides fünfter Krimi um den vom Pech verfolgten DS: Der ist eigentlich recht clever und innerhalb der Gurkentruppe der Aberdeener Polizei einer der wenigen, die etwas hinbekommen. Aber irgendetwas läuft immer quer, sodass für ihn am Ende nur wenige Lorbeeren übrig bleiben. Diesmal steht McRae sich wegen seines Alkoholkonsums und seiner Traumatisierung selbst reichlich oft im Weg. Dadurch gewinnt er endlich etwas mehr Kontur als in den bisherigen Büchern.
Überhaupt ist der aktuelle Band insgesamt etwas weniger überzogen und dafür ein bisschen komplexer im Plot: organisierte Kriminalität, pikierte Verbrecherdynastien in Aberdeen, international agierende Killer und blutige Revierkämpfe. Aber keine Sorge: Der Krimi ist immer noch ausreichend überdreht und schwarzhumorig – stets wie die schottische Umsetzung des Dürrenmattschen Diktums, dass eine Sache erst dann zu Ende gedacht ist, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Wie die bisherigen Bücher von Stuart MacBride ist auch dieser Polizeikrimi gleichzeitig seine eigene temporeiche und bildgewaltige Parodie – und nichts für Menschen mit schwachem Magen.